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600 Quadratmeter Wirkungsfläche in Offenbach

 
Akademie für interdisziplinäre Prozesse (Foto: Akademie für interdisziplinäre Prozesse)

Die noch junge „Akademie für interdisziplinäre Prozesse“ in Offenbach entwickelte aus einer ausgedienten Drogerie eine Plattform für Kunst- und Kulturveranstaltungen erster Güte.

Wo können Künstler unabhängig arbeiten und ihre Visionen umsetzen –  in Zeiten, in denen Ateliers und Projekträume absolute Mangelware sind? Zahlreiche Initiativen widmen sich der Nutzbarmachung leerstehender Räume oder sensibilisieren auf das Thema durch Kunst im öffentlichen Raum, wie beispielsweise die Gruppe „xqm“, die temporäre Bars, Schlafstationen und WGs an ungenutzten Orten entstehen ließ. Unter der künstlerischen Leitung des Professors Heiner Blum der Hochschule für Gestaltung in Offenbach (HfG), dessen Schwerpunkt auf experimentellen Raumkonzepten liegt, und Jakob Sturm, Gründungsmitglied der „Basis“-Atelierhäuser im Frankfurter Bahnhofsviertel, lenkte „xqm“ die Aufmerksamkeit auf Freiräume mitten in der Frankfurter Innenstadt.

Von der Drogerie zur Akademie

Während in Frankfurt medienwirksam an der Rückeroberung des öffentlichen Raums gearbeitet wurde, ist in einer ehemaligen Drogerie in Offenbach still und heimlich die „Akademie für interdisziplinäre Prozesse“ entstanden. Gründer der Akademie ist der HfG-Absolvent Lutz Jahnke, der seit Ende 2008 als selbständiger Designer tätig ist. Als er auf das seit längerer Zeit leerstehende Ladenlokal am Offenbacher Goetheplatz stieß, wusste er, dass er einen Ort für seine Utopie gefunden hatte. Es war Anfang Juli. Jahnke machte den Vermieter ausfindig und mobilisierte seine Freunde. Innerhalb von einem Monat stand das Konzept und die Akademie eröffnete. „Ich weiß, dass für so ein Projekt unternehmerisches Denken erforderlich ist. Und das bringe ich mit. Außerdem habe ich viele Freunde und kenne Künstler, die Macher sind und etwas auf die Beine stellen können“, so Jahnke. „Wenn sich mehrere zusammenschließen und man mit vereinten Kräften arbeitet, kann etwas Großes entstehen.“

600 Quadratmeter Wirkungsfläche

Zunächst stand in dem 300 qm großen Lokal (sowie noch einmal 300 qm im Keller) mit tiefhängender Decke und grauen Linoleumboden nicht viel mehr als ein massiver Schreibtisch. Dienstagabends trafen sich die Beteiligten, um Veranstaltungen und Projekte zu planen, zunächst nur bis zum Jahresende. Inzwischen ist wahrscheinlich, dass die Akademie für interdisziplinäre Prozesse bis Ende 2012 am Goetheplatz bleiben darf. Das gemeinnützige Projekt, an dem jeder aufgefordert ist mitzuwirken, begeistert HfG-Studenten, allgemein Kulturinteressierte und Offenbacher Bürger gleichermaßen. In einer Vortragsreihe halten namhafte Professoren Vorträge zu hochaktuellen Themen. Wie beispielsweise am kommenden Donnerstag Prof. Georg-Christof Bertsch zum Thema „Marke und Identität“. „Ein wichtiges Thema für die Offenbacher Kreativen“, betont Jahnke, der sich mit dem Hafen2, dem Kulturwaggon und dem Offenbacher Hauptbahnhof-Initiator Loimi Brautmann (das SCHIRN-Magazin berichtete) in der alternativen Kulturszene Offenbachs allein auf weiter Flur sieht.


Video mit Impressionen der Eröffnung der Akademie für interdisziplinäre Prozesse

Finanzierung durch Apfelmus

Dass der Offenbacher Oberbürgermeister Horst Schneider das seit längerem angekündigte „Performance Happening“ am 29. Oktober eröffnen wird, ist eine geschätzte Geste. Ebenso, dass die Offenbacher Energieversorgung der Akademie für ein paar Monate Ökostrom gesponsert hat. Mit sinkenden Temperaturen wird es ungemütlich im 70er Jahre-Bau, in dem bis vor einem halben Jahr noch Putzmittel und Kosmetik verkauft wurden. Um Geld für Heizöl zu sammeln, ist der Verkauf von selbstgekochten Apfelmus und –chutney ein erster Ansatz. Natürlich mit eigens designtem Etikett.

„Es gibt keine Probleme, nur Lösungen“, sagt Lutz Jahnke, der für Skepsis und Angst nichts übrig hat. „Nur mit Mut kann man etwas erreichen. Ich bin hochmotiviert und bestärkt von der Freude, mit der wir gemeinsam an diesem Projekt arbeiten und der enormen Resonanz, die wir auf die Akademie für interdisziplinäre Prozesse erhalten.“

Unterstützen kann man die Akademie für interdisziplinäre Prozesse über Spenden via Paypal auf ihrer Webseite und durch jedes Getränk, das man dort bei Vorlesungen, Performances, Poetry Slams und Konzerten kauft. Oder durch den Kauf einer Steige Apfelmus. Bleibt zu wünschen, dass aus der bisherigen Erfolgsshortstory der Akademie für interdisziplinäre Prozesse ein Erfolgsmärchen wird.

Text: Amelie Persson

Akademie für interdisziplinäre Prozesse
Ludwigstr. 112 – Goetheplatz, 63067 Offenbach

Dienstags ab 19 Uhr Offenes Forschungsseminar
Donnerstag, der 20. Oktober 19:30 Uhr Vortrag Prof. Bertsch „Marke und Identität“
Donnerstag, der 27. Oktober 19:30 Uhr Vortrag Eva Moll und Mirek Macke (Lola Montez) „What’s Performance Today?“
Samstag, der 29. Oktober 20:30 Performance-Happening „Superheroes vs. Villains“

Der Eintritt ist bei allen Veranstaltungen frei

Mehr auf der Website der Akademie und auf der Facebook-Seite der Akademie (keine Facebook-Mitgliedschaft erforderlich)

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1 Kommentar

  1. Erik Pfeiffer, 17. Oktober 2011

    Wir freuen uns sehr über die zunehmende Präsenz der liebevoll genannten AFIP im aktuellen Diskurs über Kulturstandorte im Main-Gebiet.

    Wer sich für die bunten letzten 20Sekunden des oben bereitgestellten Videos weiterführend interessiert.
    Hier findet Ihr es im Internet in voller Schärfe…
    Beste Grüße
    Die Segel
    http://www.diesegel.de/videos.html

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http://www.schirn-magazin.de/schirntipps/600-quadratmeter-wirkungsflache-in-offenbach/

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