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Woody Allen und die Surrealisten

 
Salvador Dalí gespielt von Adrien Brody, (c) Concorde Film 2011

Hat Woody Allen die Surrealisten-Ausstellung der SCHIRN besucht? Sieht man sich seinen neuesten Film „Midnight in Paris“ an, liegt die Vermutung nahe …

Seit Jahrzehnten bringt Woody Allen Jahr für Jahr einen neuen Film ins Kino. Nachdem traditionellerweise seine Heimatstadt New York die heimliche Hauptrolle innehatte, sind in den letzten Filmen europäische Metropolen, wie Barcelona oder London, die Schauplätze seiner Filmhandlungen. Allens neuester Film „Midnight in Paris“ stellt die französische Hauptstadt in den Mittelpunkt. Anlass genug, auch Carla Bruni-Sarkozy, ehemaliges Model und nun Gattin des französischen Staatspräsidenten, eine kleine aber feine Rolle als Pariser Fremdenführerin zu reservieren.

„Midnight in Paris“ erzählt vom amerikanischen Paar Inez und Gil – dargestellt von Rachel McAdams und Owen Wilson, die kurz vor ihrer Hochzeit stehen und auf einem mehr oder weniger romantischen Paris-Trip sind. Nicht nur Inez‘ nörgelige Eltern sind ebenfalls vor Ort, sondern auch noch Inez‘ ehemaliger College-Schwarm Paul samt Begleitung. Während die Eltern Geschäfte abschließen, unternehmen die Paare gemeinsame Streifzüge durch Paris.

Besserwisser Paul (gespielt von Michael Sheen) wickelt als wandelndes Lexikon Inez um den Finger und geht Gil gewaltig auf die Nerven. Denn der Hollywood-Drehbuchschreiber träumt von einem Bohème-Leben als Schriftsteller in Paris, am liebsten in den 20er Jahren. Gil klinkt sich zunehmend aus den Sightseeing-Aktivitäten aus und arbeitet im Hotelzimmer an seinem Romandebüt. Als er eines Nachts einsam durch die verregneten Straßen von Paris spaziert, erhält er auf surreale Art und Weise Zugang zum Goldenen Zeitalter, von dem er die ganze Zeit träumt. Er findet sich wieder auf Swing-Tanzabenden, lernt Scott F. Fitzgerald und seine trinkfreudige Gattin kennen und diskutiert mit Ernest Hemingway über das Leben und die Liebe.

Viel mehr über diese vergnügliche Zeitreise sollte man nicht verraten, außer vielleicht Gil’s surreale Begegnungen mit einigen der Protagonisten der „Surreale Dinge“-Ausstellung der SCHIRN Kunsthalle. In einem Pariser Salon bittet Salvador Dalí – dargestellt von Adrien Brody – umringt von seinen Freunden Luis Buñuel und Man Ray, Gil an seinen Tisch. Die Gläser sind mit Wein gefüllt und die Surrealisten lauschen amüsiert Gils Geschichte von seinem Liebeskummer und der Zerrissenheit zwischen den Jahrhunderten. Während seine Verlobte Inez das Tanzbein mit Paul im Paris der Gegenwart schwingt, hat Gil im Paris der 20er-Jahre ein Auge auf die Muse von Picasso geworfen.

Luis Buñuel: A man in love with a woman from a different era. I see a photograph!
Man Ray: I see a film!
Gil: I see an insurmountable problem!
Salvador Dalí: I see a rhinoceros!

Der Dialog bildet die skurrile Begegnung von Gil mit bekannten Persönlichkeiten aus einem anderen Zeitalter wunderbar ab. Wieder einmal gelingt es Woody Allen eine surreale Geschichte – im wahrsten Sinne – zu erzählen. Er lässt Gil in traumhaften Sequenzen das Goldene Zeitalter erleben, erst staunend, dann ganz in seinem Element. Allen liefert witzige Querverweise auf Kunstwerke des Zeitalters, beispielsweise indem er Gil – den Hollywood-Drehbuchschreiber – dem avantgardistischen Filmemacher Buñuel eine Idee für einen surrealistischen Film vorschlagen lässt (Buñuels späteres Meisterwerk „Der Würgeengel“).

Woody Allens Zeitreise hat Tempo, wird gewohnt geistreich erzählt und von einem hochkarätigen Ensemble präsentiert. Neben Marion Cotillard als sinnliche Muse der Maler ist beispielsweise auch Kathy Bates zu sehen. Doch in welcher Rolle, das sollte man am besten selbst herausfinden und sich ins Paris der 20er Jahre begeben.

Text: Amelie Persson

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