Für die Ausstellung „Surreale Dinge“ vom 11. Februar – 29. Mai 2011 hat die junge Künstlergruppe et al.* das Treppenhaus der SCHIRN KUNSTHALLE in ein begehbares Gruselkabinett verwandelt. Ein Gespräch mit der Künstlergruppe.
Nicht nur in den Ausstellungsräumen der SCHIRN KUNSTHALLE befindet sich zur Zeit der Aufbau von „Surreale Dinge“ in vollem Gange, auch im Treppenhaus, das zur Ausstellung führt, arbeiten et al.* akribisch an einem Alptraum-Szenarium namens „En Passant“. Die Städelschüler Zac Dempster und John Skoog, zwei Mitglieder des Kollektivs, über die Faszination vom Gruseln in der Kunst.
Wie kann man sich die Arbeit von et al.* vorstellen?
Zac: Um einen harten Kern von sieben Leuten gibt es einen sich ständig verändernden Kreis aus Freunden, Bekannten und Neugierigen, die alle etwas zu unserer Arbeit beisteuern. Einige kenne ich noch von meiner Zeit aus New York, andere stießen über Paris und Boston zu uns, die meisten trafen wir in der Frankfurter Städelschule oder auf Partys.
John: Alle kommen aus anderen Bereichen der darstellenden Kunst und bringen ihr jeweils individuelles Talent ein. Das können Elemente aus dem Theater sein, dem Film, der Musik – jeder lässt sein Potential in das Gesamtwerk einfließen.
Welche Projekte hat et al.* bisher realisiert?
Zac: Wir entwerfen begehbare Boxen, Nichträume, Traumwelten. Unsere ersten Arbeiten waren „cinema palaces“, kleine Kinosäle, die wir für nur für 30 Leute gebaut haben und in denen Filme der 30er Jahre zu sehen waren.
John: Eine weitere Rauminstallation war das „Haunted House“, das wir zum Halloween-Wochenende im letzten Jahr in Sachsenhausen realisiert haben. In den USA gibt es ja traditionell in jeder Stadt unzählige Gruselhäuser, die man mit seinen Kindern besucht. Nach diesem Vorbild haben wir ein komplettes Haus nach unseren eigenen Vorstellungen entworfen. Als Inspiration diente uns die Liebesaffäre zwischen LeCorbusier und der Tänzerin Josephine Baker, die wir in ihrer ganzen bizarren Romantik in etwas Unheimliches verwandelten.
Zac: Die Performances im „Haunted House“ waren präzise choreografiert und auf vier Stockwerken genau aufeinander abgestimmt. Die Besucher wurden in kleinen Gruppen durch das Haus geführt und konnten so einen filmisch-theatralischen Raum in seiner vollen Körperlichkeit und mit allen Sinnen erfahren.
John: „Haunted House“ war ein Erfolg; wir hatten an allen drei Abenden viel mehr Besucher als wir durch das Haus führen konnten. Selbst nach dem Durchgang wussten die meisten Besucher nicht, wie sie das „Haunted Houe“ am besten beschreiben oder bezeichnen sollten.
Wie kam es zur Arbeit „En Passant“ für die SCHIRN?
John: Ingrid Pfeiffer, die Kuratorin von „Surreale Dinge“, sah in „Haunted House“ einen direkten Bezug zu der inszenierenden Ausstellungspraxis der Surrealisten, mit der diese den Betrachter im Unklaren ließen, ob ein Objekt nun ein Kunstwerk oder etwas zum Benutzen war.
Zac: Obwohl wir uns nie mit den Surrealisten direkt vergleichen würden, schaffen auch wir irreale Orte, in die man aus der Realität eintritt, aber auch wieder verlassen muss. Diese Phase des Überganges ist uns besonders wichtig und hat uns zur „En Passant“ im Treppenhaus der SCHIRN inspiriert.
Was genau erwartet die Besucher bei „En Passant“?
Zac: Bei „En Passant“ war für uns war vor allem interessant, das die Besucher keinen abgeschlossenen Raum betreten, sondern eine Passage durchlaufen müssen, um zur Ausstellung „Surreale Dinge“ zu gelangen.
John: Mit Skulpturen, Licht- und Soundeffekten werden wir den Eindruck vermitteln, der Besucher würde ein Gemälde betreten, etwa Antoine Carons „Das Massaker unter dem Triumvirat“ mit seinen geschundene Körpern und abgeschlagenen Köpfen oder eine von George Bataille inspirierte erotische Opferfantasie.
Zac: Und all diese Eindrücke und Einflüsse strömen auf den Besucher ein, der sich eigentlich auf dem Weg in eine andere Ausstellung befindet. Es wird spannend, zu sehen, wie die Leute reagieren werden auf diesen verstörend wunderschönen Moment. Für uns ist „En Passant“ damit eine interessante Vorbereitung auf „Surreale Dinge.“
„En Passant“ der Künstlergruppe et al.* ist während der gesamten Ausstellung „Surreale Dinge. Skulpturen und Objekte von Dalí bis Man Ray“ vom 11. Februar – 29. Mai 2011 in der SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT zu sehen.
20. April 2011 13:30




















