Filme

Double Feature: Bjørn Melhus

Film ansehen

 

AKTUELLE ARTIKEL

Bjørn Melhus, Sudden Destruction, Filmstill, 2012, Copyright the artist

Einblicke

Double Feature: Bjørn Melhus

Artikel lesen

Interviews

Wo beginnt Pop Musik?

Artikel lesen

Durch die Schirn mit Jan Costin Wagner. Der Schriftsteller besuchte die Ausstellung der finnischen Künstlerin Helene Schjerfbeck, Foto: Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2014

Einblicke

Durch die Schirn mit: Jan Costin Wagner

Artikel lesen

Die Regenmäntel von Thomas Bayrle in der Ausstellung 'German Pop', Foto: Schirn Kunsthalle Frankfurt, Norbert Miguletz, 2014

Kontext

Thomas Bayrle: Good Vibrations

Artikel lesen

 
 

(Fast) alles neu

Das Treppenhaus des Atelierfrankfurt, Foto: Mara Monetti

Das Atelierfrankfurt feiert seine Wiedereröffnung – mit einem fünftägigen Programm.

zum Schirn Tipp

 
 

14.02.2012

Künstlerisch einlochen: Minigolf in der Zeilgalerie

Minds on Minigolf, Foto: Andreas Göcke

Für die Indoor-Minigolfanlage von Michael Scharff haben Künstler neun fantasievolle und einzigartige Bahnen entworfen.

 

Vor zwei Jahren hätte sich Michael Scharff, 28, Psychologe mit schwarzem Wuschelkopf, Vollbart und weichem Händedruck, wahrscheinlich nicht träumen lassen, dass er heute hinter der Theke seiner eigenen Indoor-Minigolfanlage stehen würde. Oder vielleicht doch. Gedankliche Schranken sind Michael Scharffs Sache nämlich nicht. Vor zwei Jahren lebte er jedenfalls noch in einer Waldhütte in Thailand. Allein. „Eine Mahlzeit am Tag, kein Sex, kein Alkohol, keine Spiele, keine Arbeit, kein Sport. Nur Meditation“, fasst er die achteinhalb Monate im buddhistischen Kloster zusammen, während er für mich frischen Filterkaffee aufbrüht, direkt in eine Porzellantasse mit Blümchen-Verzierung. Er serviert sie in einer Ecke mit einem Oma-Sofa und drei alten Stühlen.

Jorma Foth, Andreas Göcke und Michael Scharff (v.l.n.r.), Mind on Minigolf, Foto: Sylvia Meilin Weber

Neun Bahnen wurden von Künstlern entworfen

Hinter uns spielen ein paar Schüler Minigolf. Sie schießen den Ball über eine geflieste Bahn in eine Toilette, bugsieren ihn über eine gedeckte Dinner-Tafel und versuchen den Mund eines übergroßen Kuschelmonsters zu treffen. Es ist elf Uhr vormittags. Zu früh für den großen Ansturm. „Am Wochenende entstehen aber oft Wartezeiten von bis zu einer Stunde“, erzählt Scharff. Und das, obwohl er keinerlei Werbung gemacht hat. Es sprach sich jedoch schnell herum, dass es hier in der Zeilgalerie eine Minigolf-Anlage gibt, die anders ist, als alles, was man zuvor als Minigolfanlage in Parks und auf Campingplätzen kennengelernt hat. Der Clou: Alle neun Bahnen wurden von Künstlern entworfen und sind so fantasievoll, witzig und einzigartig, dass sie auch als Installation in einer Kunsthalle stehen könnten. Wer auf eine freie Bahn warten muss, kann auf den Stühlen oder in einer Sofaecke lümmeln, Bluna-Brause für 2,50 Euro trinken und selbstgebackenen Kuchen essen.

Einladende Sofas bei "Minds on Minigolf", Foto: Andreas Göcke

Es gab weit und breit keine Minigolfanlage

Die Idee zu dieser lässigen Kunst-Minigolfanlage kam Scharff im vergangenen Winter. Er war seit ein paar Monaten zurück aus Thailand, jobbte als Fahrradkurier und Barmann. In seiner Freizeit zockte er mit einem Freund Computerspiele. Unter anderem Minigolf. Als der Freund ihn dabei mehrmals hintereinander besiegte, sagte Scharff: „Auf einer echten Bahn würde ich dich schlagen.“ Das Problem: Er konnte es nicht beweisen, denn es gab weit und breit keine Minigolfanlage, die im Winter geöffnet hatte. „Dann baue ich eben selber eine“, dachte er sich, suchte eine Fläche, wurde ein knappes Jahr später fündig, schrieb auf einer Homepage den Künstlerwettbewerb „Create A Magic Hole“ aus, und kurze Zeit später war „Minds On Minigolf“ geboren.

Der Parcour auf dem Esstisch bei "Minds on Minigolf", Foto: Andreas Göcke

Hier kannst du die Kunst benutzen

Warum es eine Kunst-Minigolf-Anlage geworden ist? „Ich mag Kunst sehr. Aber, was ich nicht mag, ist, dass man durch die Museen läuft und die vielen schönen und interessanten Gegenstände nicht berühren darf. Hier kannst du die Kunst benutzen und darfst sie sogar mit Bällen beschießen“, sagt Michael Scharff. 34 Künstler bewarben sich mit einer Idee für eine Bahn auf seinen Aufruf. Die neun spannendsten wählte er aus. Zum Beispiel die von Andreas Göcke, Kunstpädagogik-Student und ein Freund von Michael Scharff (und zwar genau der, der ihn beim Online-Minigolf spielen so oft besiegt hat).

Das Jugendzimmer von Andreas Göcke als Parcour bei "Minds on Minigolf", Foto: Andreas Göcke

Scheinbar wahllos hingeworfene Kleidungsstücke

Andreas Göcke entwarf ein unordentliches Jugendzimmer, in dem man über ein ungemachtes Bett, verstreut umher liegende Bücher (unter anderem eine Hitler-Biografie) und scheinbar wahllos hingeworfene Kleidungsstücke, den Ball in einen Becher schießen muss. Seine Inspiration: „Ich habe mich daran erinnert, wie mein Bruder und ich früher regelmäßig unsere Zimmer auseinander genommen haben. Manchmal haben wir Murmelbahn-Parcours ins Chaos gebaut.“ Die Möbel sind Fundstücke aus Kellern und von Flohmärkten. „Wir mussten schließlich mit einem sehr begrenztem Budget auskommen“, sagt Göcke. 300 Euro stellte Michael Scharff den Künstlern jeweils für die Realisierung zur Verfügung. Weitere 500 Euro erhielt Andreas Göcke, weil er von einer unabhängigen Jury (in der unter anderem die Galeristin Parisa Kind saß) am Eröffnungstag mit dem ersten Preis für seine Bahn ausgezeichnet wurde.

Der Looping von Jorma Foth bei "Minds on Minigolf", Foto: Andreas Göcke

Eine Holz-Looping-Bahn in Stahlträger-Optik

Den zweiten Preis bekam Jorma Foth, 28, der an der Städelschule bei Tobias Rehberger studiert hat und im Frankfurter Bahnhofsviertel einen Ausstellungs-Balkon betreibt. „Ich mache Kunst, die benutzbar ist oder die im öffentlichen Raum stattfindet. Deshalb war es für mich naheliegend an diesem Wettbewerb teilzunehmen“, sagt er. Er hat auf die kleinste der neun Flächen eine Holz-Looping-Bahn in Stahlträger-Optik gebaut, die an den Eiffelturm erinnert. „Der Gag ist, dass der Looping keine Spirale ist, sondern einen Klappmechanismus besitzt“, erzählt er. Man muss auf ein Seil treten, an der eine Schublade befestigt ist. Erst dann kann der Ball die Bahn entlanglaufen. Ganz schön tricky. Gerade haben zwei Schüler Jorma Foths Looping erreicht. Während der eine mehrmals verzweifelt versucht, Arme und Beine so zu koordinieren, dass der Ball in die Bahn kommt, schafft der zweite es gleich beim ersten Mal, was ihm anerkennendes Gejohle von Jorma Foth, Andreas Göcke und Michael Scharff einbringt. Was passiert, falls im Sommer keiner mehr Indoor-Minigolf spielen will, frage ich zum Schluss. Michael Scharff zuckt gelassen mit der Schulter, lächelt und antwortet: „Vielleicht vererbe ich dann die Anlage an Andreas und gehe zurück nach Thailand ins Kloster.“

Text: Sylvia Meilin Weber

Minds On Minigolf, Zeil 112-114 (Zeilgalerie), 4. Ebene, Tel. 069/95860447, Mo-Mi 10-20, Do-Sa 10-22, So 13-20 Uhr, Spiel: 4 Euro

Bildergalerie, zur Vollbild-Ansicht bitte klicken:

  • Jorma Foth, Andreas Göcke und Michael Scharff (v.l.n.r.), Mind on Minigolf, Foto: Sylvia Meilin Weber
  • Das Jugendzimmer von Andreas Göcke als Parcour bei „Minds on Minigolf“, Foto: Andreas Göcke
  • Der Parcour auf dem Esstisch bei „Minds on Minigolf“, Foto: Andreas Göcke
  • Der Looping von Jorma Foth bei „Minds on Minigolf“, Foto: Andreas Göcke
  • Einladende Sofas bei „Minds on Minigolf“, Foto: Andreas Göcke
  • Eine Lochbahn bei „Minds on Minigolf“, Foto: Andreas Göcke
comments powered by Disqus
Facebook
Twitter
Google+
Share on Tumblr

http://www.schirn-magazin.de/

1